2. März 2026

Tag 18-22: Immer noch Cù Lao Chàm

 Inseln und ich, wir werden irgendwie keine Freunde. Unsere Host hatte uns davor gewarnt, dass das Wetter sich verschlechtern könne und an unserem Abreisetag möglicherweise keine Fähre fährt. Das haben wir gekonnt ignoriert, schließlich sind wir in Thailand auch ein paar Mal mit irgendwelchen Frachtbooten mitgefahren. Man kann am Hafen doch einfach rumfragen, wer einen mitnehmen kann. Wir braucht schon die olle Fähre. Doch das war ernster gemeint als wir dachten. Am Morgen unserer geplanten Abreise regnet es tatsächlich ein wenig und der Schiffverkehr wird tatsächlich eingestellt. Allerdings nicht nur für die Tage, an denen es regnet, sondern eher auf unbestimmte Zeit. Jeden Morgen warten wir darauf, dass am Pier Hinweise darauf auftauchen, dass ein Boot die Insel erreicht oder sie verlässt. Doch nur die Fischer fahren ein paar Meter in die Bucht, um dort zu angeln. Wir schreiben mit verschiedenen Seefahrt- und Tourismusunternehmen am Festland, wir fragen im Dorf rum und hören im Grunde überall dasselbe. Die Wasserschutzpolizei lässt derzeit keine Schiffe das Südchinesische Meer überqueren, sei außerdem sehr streng und die Überfahrt viel zu gefährlich. Nun ja und so kommt es, dass wir täglich 6 Uhr morgens mit dem kommunistischen Appell aufwachen, vom Zimmer aus den Pier beobachten und über das ruhige Meer bis Hoi An schauen können, wo nur 15 Kilometer weit entfernt, die Freiheit auf uns wartet. Wir arrangieren uns irgendwie, leihen uns täglich ein Motorrad und lernen darauf zu fahren, wir umkreisen die Insel, schauen uns das riesige Baumgeflecht am Dschungelrand an, räumen einen ganzen Tag lang den Müll vom Strand am Resort weg und besuchen natürlich so oft wir können die Hundedame am verlassenen Resort. Sie erwartet uns meist mit großen Augen, lässt sich den Reis schmecken und achtet penibel darauf, dass ihr niemand zu nahe kommt. Nur ein einziges Mal traut sie sich, ein paar Snacks aus meiner Hand zu nehmen. Die Kleinen wiederum sind umso neugieriger. Schon am dritten Tag kommen sie uns bellend aus ihrem Versteck entgegengerannt. Außerdem treffen wir die anderen paar frustrierten Touristen, die vielen umherstreunernden Dorf- und Tempelhunde, sowie ein paar spannende Wildtiere wie Schlagen, Schmetterlinge, riesige Tausendfüßer, Katzen und einige coole Vögel. Wir spielen mit den Kindern aus dem Homestay und versuchen das Beste daraus zu machen. Doch nach einer Woche hilft alles nichts mehr. Ich bin von Tag zu Tag frustrierter und sehe im Kalender die Tage vorüberziehen und mit ihnen so viele Möglichkeiten, weitere Orte auf dieser Reise zu entdecken. Eines Abends finden wir eine Katze völlig verdreht zwischen Tür und Wand im Tempel eingeklemmt. Die Tierschutzorganisation in Hoi An kann uns kein Stück weiterhelfen. Wir sichern die halbtote Katze und versuchen sie stabil zu halten, bis hoffentlich am nächsten Tag ein Schiff kommt. Doch sie stirbt nur wenige Stunden später und weil natürlich kein Boot fährt, beerdigen wir sie provisorisch. Eine Woche ist nicht lang, aber auf dieser kleinen Insel, auf der man ständig machtlos ist, kommt es mir bald so vor als würde ich selbst nie wieder hier wegkommen. Die Behörden teilen mir mit, dass die Fähre frühstens Mitte Januar wieder die Erlaubnis bekommen könnte, auszufahren. Bis dahin müssen wir aber längst wieder in Deutschland sein. Durch das Rumfragen im Dorf kennen wir mittlerweile einen inoffiziellen Weg, und nehmen das nächste und einzige Schiff, das die Insel bei gutem Wetter verlässt. Alle raten uns aus Gründen davon ab und trotzdem machen wir alles, was nötig ist, um die Insel bei der nächsten Gelegenheit wieder zu verlassen. Am Ende geht alles gut und wir steigen nach acht endlosen Tagen nachmittags bei strahlendem Sonnenschein, ich mit nassen Schuhen und wackeligen Knien, wieder in Hoi An unter einer beliebigen Brücke aus dem Deck eines kleinen Fischerbootes, balancieren über die Planke ans Ufer und stehen stolz und erleichtert wieder am Festland. Cu Lao Cham war schön, aber gnadenlos und ich schaue wehmütig auf die andere Seite, wo natürlich alle wissen, was "im Geheimen" passiert, weil alle darauf angewiesen sind und wo niemand so wirklich das Dorf verlässt, weil der Dschungel gefährlich ist und das Rettungsschiff zwei Stunden braucht, um überhaupt am Pier anzulegen.
























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