2. April 2026

Steinwürfe ins Leere


Nachts zwischen den Platten und Sirenen merke ich oft, wie meine Realität ins Wanken gerät und droht in winzige Splitter zu zerspringen. Auf irgendeine heuchlerische Art, bin ich Teil dieses Stadtteils. Hier bin ich bekannt. Auf der Straße höre ich meinen Namen und trotzdem bin ich immer ganz froh, abends den Staub vom Waschbeton abschütteln zu können. Ein liebevolles Abendessen mit süß angebratenen Kräutern wartet daheim auf mich und ich kann mir nicht erklären, womit ich das verdient habe. Schließlich wähle ich immer den Weg des geringsten Widerstandes und da sind selten Barrikaden auf meinen Heimweg. Die Macht, die mir in die Hände gelegt wurde, hat kissenweiche Kanten, denn es sind nur Worte und ich finde dennoch selten die richtigen. Dann beuge ich mich der Gewalt und begegne ihr mit Gleichgültigkeit. Hier ist nichts ehrlich fair. In den Ecken sammeln sich weggeworfene Träume neben Schutt und Sperrmüll. Es fällt mir schwer, Gerechtigkeit zu finden. Alles, was ich sehe, sind nur Strafe oder Gnade. Ein elendiger Tanz um die Schuld. Keine milden Worte finden Anklang. Sie prallen an Mauern der Wut ab. Wenn ich versuche einen Stein ins Rollen zu bringen, kippt er lediglich zur Seite. Schmerzlich muss ich lernen, Verständnis und Empathie sind doch nicht der Schlüssel durch alle Fassaden. Im Gegenteil - Den Frust zu Verschleiern ist manchmal lebenswichtig. 

8. März 2026

Tag 26-27: Hanoi

 Mit dem Nachtzug erreichen wir Hanoi rechtzeitig und stürzen uns ein letztes Mal ins Getümmel. Wir schlendern durch die Altstadt, holen Markus' Anzug aus der Schneiderei, verabschieden uns von Nam, gehen in das Wasserpuppentheater, plündern den Markt und die veganen Restaurants. Pünktlich zum Abreisetag werde ich natürlich krank und bin erstmal ein paar Stunden ausgeknockt. Glücklicherweise bestätigt sich der Verdacht auf Dengue nicht und trotzdem zerberstet der Flug mir meine Trommelfelle, sodass ich mich zurück im kalten Deutschland erstmal auskurieren muss. Doch auch ohne die Viren hat mich die Reise wieder ganz schön umgehauen. Es ist verrückt, wie viel in einem Monat passiert und wie anders Kultur und Gesellschaft funktionieren können. Ich hoffe nur, dass die Gedanken, die mir auf der anderen Seite der Welt gekommen sind, noch etwas nachwirken und nicht zu schnell wieder verfliegen.






6. März 2026

Tag 25: Đà Nẵng

 Auch in Da Nang ist das Tourileben simpel. Man geht irgendwohin und dort ist dann irgendetwas. Wir haben in der kurzen Zeit vor allem die Drachenbrücke, die Innenstadt, den Strand und einen der Berge (Ngu Hanh Son), die mitten aus der Stadt ragen und wo Tempel, Höhlen und Pagoden zu bewundern sind, angesehen. Von dort oben sehen wir außerdem immer noch Cu Lao Cham. Wir wissen, den Welpen und der Hundemama geht es gut, denn Piet, einer der nun zwei zurückgebliebenen Touristen auf der Insel, hat nun noch ein paar Tage ein Auge auf die Bande.

















4. März 2026

Tag 23-24: Hội An

Trotz allem geht unsere Reise weiter und wir müssen den Frust der letzten Tage abschütteln. In Hoi An ist das einfach. Die Region betreibt viel Tourismus und so können wir es uns auf eine völlig surreale Weise gut gehen lassen. Auf einmal gibt`s wieder massig Leute, Restaurants und Laternen überall. Mit Rädern fahren wir über die Reisfelder in den Sonnenuntergang. Am Abend snacken wir uns über den Nightmarket. Am nächsten Tag nutzen wir glatt aus, dass wir jetzt Motorrad fahren können, leihen uns eins und machen einen Tagesausflug zu der Tempelstadt My Son. Am Abend wiederum geht es direkt weiter nach Da Nang.