2. April 2026

Steinwürfe ins Leere


Nachts zwischen den Platten und Sirenen merke ich oft, wie meine Realität ins Wanken gerät und droht in winzige Splitter zu zerspringen. Auf irgendeine heuchlerische Art, bin ich Teil dieses Stadtteils. Hier bin ich bekannt. Auf der Straße höre ich meinen Namen und trotzdem bin ich immer ganz froh, abends den Staub vom Waschbeton abschütteln zu können. Ein liebevolles Abendessen mit süß angebratenen Kräutern wartet daheim auf mich und ich kann mir nicht erklären, womit ich das verdient habe. Schließlich wähle ich immer den Weg des geringsten Widerstandes und da sind selten Barrikaden auf meinen Heimweg. Die Macht, die mir in die Hände gelegt wurde, hat kissenweiche Kanten, denn es sind nur Worte und ich finde dennoch selten die richtigen. Dann beuge ich mich der Gewalt und begegne ihr mit Gleichgültigkeit. Hier ist nichts ehrlich fair. In den Ecken sammeln sich weggeworfene Träume neben Schutt und Sperrmüll. Es fällt mir schwer, Gerechtigkeit zu finden. Alles, was ich sehe, sind nur Strafe oder Gnade. Ein elendiger Tanz um die Schuld. Keine milden Worte finden Anklang. Sie prallen an Mauern der Wut ab. Wenn ich versuche einen Stein ins Rollen zu bringen, kippt er lediglich zur Seite. Schmerzlich muss ich lernen, Verständnis und Empathie sind doch nicht der Schlüssel durch alle Fassaden. Im Gegenteil - Den Frust zu Verschleiern ist manchmal lebenswichtig. 

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