3. Februar 2026

Über Ideale und Stagnation

Was ist eigentlich übrig geblieben von den ganzen Idealen, die ich mal hatte oder glaubte zu haben. Sind sie mir verloren gegangen oder stehen sie nicht mehr allein im Zentrum meines Handelns? Ich bin naiv, wenn ich denke, ich hätte mir längst die Rosinen rausgepickt und trotzdem hoffe ich, dass ich ganz organisch über Bord geworfen habe, was sich als gar nicht mal so tauglich rausgestellt hat. Anderenfalls türmen sich vor mir die Sorgen auf, alles losgelassen zu haben, was mir wichtig war und noch wichtig sein sollte. Ist mir der Wille verloren gegangen, Alles oder Nichts zu fordern? Habe ich keine Lust auf das ständige Aushandeln oder schlägt mein Gehirn nur noch Abkürzungen ein, sodass ich gar nicht mehr weiß, warum ich für diese oder jene Sache einstehen will. Letzteres sollte mir doch ehrlich Angst machen, denn ich will überschauen können, welche Geister ich rufe. Doch ich gehe blind durch die Korridore, die diese Stadt mir eröffnet, schaue kaum nach rechts oder links, besinne mich auf die immer gleiche Sackgasse. Ich bin viel zu klein für große Entscheidungen. Große Taten brauchen eine große Masse. Doch immer wenn ich mich mit der Masse erhebe, scheint einerseits nichts zu passieren und andererseits selbst die große Masse viel zu klein, für diese Welt. Jetzt sehe ich mich nach kleinen Zielen. Ziele, die ein Mensch allein erreichen kann, aber wie schrecklich bürgerlich ist diese Idee und wie erschlagen bin ich dennoch von den ganzen Schicksalen, die sich tagtäglich vor mir auftun, als wären sie keiner Rede wert.


30. Januar 2026

Auf den Stufen des Tempels


In meiner viel zu heilen Welt, gibt es immer Möglichkeiten. Meine Art von Handlungsunfähigkeit ist in der Regal nur ein Ausdruck von Bequemlichkeit. Lösungen sind naheliegend und viele Wege führen nach Rom oder an welches Ziel auch immer. 
Doch auf dieser Insel gab es keine Möglichkeiten, nicht mal Schiffe, die sie verlassen. Es gab nichts, bisauf dieser einen Straße, die sich über fünfzehn Kilometer im Kreis windet und nirgendwohin führt. 
Nie war ich derartig mit meiner eigenen Hilflosigkeit konfrontiert als in jener Nacht, in der ich diese dem Tode geweihten, gelähmten Katze auf den Stufen des Tempels, in weißen Tücher gebettet, zum Sterben zurücklassen musste. Keine Chance auf Erlösung, kein Weg ans Festland - nur elendig lange Stunden, um im Rauschen der Wellen und dem Zirpen und Schreien des Dschungeln auf ein qualvolles Ende zu warten. Als wäre ich noch nie mit sterbenden und leblosen Tieren konfrontiert gewesen, hat mir diese schneeweiße, um ihr Leben kämpfende Katze, endgültig das Herz gebrochen. Nun schreibe ich Liebesbriefe in die Leere und weine um ein wildes Tier, das ich nicht kannte, weil ich es nicht fair finde, wenn trotz der schmerzhaften Stunden niemand an sie denkt. 
Religion und ich, wir sind uns schon manchmal begegnet, aber nie konnte ich Trost oder Gnade darin finden. Jetzt möchte ich trotzdem daran glauben, dass insofern dieser Tempel tatsächlich von Göttern bewacht wird, sie dieses unschuldige Wesen nun sanft in ihren Armen wiegen, sie in Wärme hüllen und ihr Lieder singen vom Frei- und Wildsein und wie es sich anfühlt, bei Dämmerung über die Wellblechdächer zu balancieren und hier und da einen kleinen Snack zu stibitzen. Sie sollen sie streicheln und ihr zeigen, dass wenn das Leben hart ist, der Tod hingegen ganz leicht und friedlich sein kann.

13. Dezember 2025

Schön, dass du da warst

Es ist lang her, doch als mir zuletzt alte Bilder in die Hände gefallen sind, da musste ich an die Zeit zurückdenken, in der ich mich so sehr danach gesehnt habe, in deinen Armen und dieser unzähmbaren Mähne zu versinken. An manchen Tagen war es, als wäre das das natürlichste der Welt, an anderen war plötzlich wieder klar, dass kein Weg dorthin führt. Zwischen uns tausend Menschen und keiner vor uns bereit, nur eine Hand auszustrecken. Stattdessen ewiges Suchen und seltenes Finden. Was denkst du, wie wäre es jetzt in dieser großen WG auf dem Land, die wir uns erträumt hatten. Wie wäre es, wenn ich dir erzählen könnte, was mich bewegt und du dasselbe machen würdest. Hätten wir das jemals ausgehalten? Und selbst wenn die hunderte Kilometer nicht zwischen uns liegen, dann merke ich plötzlich, dass du mir doch ziemlich fremd bist. Obwohl die Witze dieselben sind, sind die Arme, die mich früher getragen haben, ganz andere und auch du gibst dir größte Mühe, dich nicht fallenzulassen. Aber ich bin ok damit und erleichtert darüber, wie gut es uns doch zu gehen scheint.




14. September 2025

Juli

Gerade bin ich ziemlich glücklich. Die Bienen und Schmetterlinge im Garten sowie die reichliche und ganz eigene Ernte schmeicheln meiner Seele. Wenn wir nachts durch den Park fahren, schwebt ein Meer aus Glühwürmchen um unsere Köpfe als wäre die Welt völlig in Ordnung. Tagsüber sehe ich Zuversicht, Abenteuerlust und Kunst, wohin ich sehe. Das Schnurren unseres neuen Mitbewohners ist wie eine Melodie der Glückseligkeit in meinen Ohren und es sieht so aus, als könne ich alles machen, worauf ich Lust habe. Lediglich die Zeit ist begrenzt. Doch Stück für Stück erkenne ich, was mir wichtig und lieb ist. Vielleicht ist einfach nur Sommer, vielleicht meint es das Schicksal aber auch gut mit mir und ich bin ein bisschen mehr in meinem eigenen Leben angekommen.



25. August 2025

Tag 8 - Abreise

 Ich muss zurück nach Deutschland und so kommt es, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben allein fliege. Ganz früh am Morgen putzen wir das Haus, als wären wir nie da gewesen, auch wenn ich mir ein wenig wünsche, ich könne hier einziehen. Doch ich bin schrecklich kälteempfindlich und an Tagen, an denen die Sonne nicht mehr aufgeht, würde ich ganz langsam eingehen und die Polarlichter könnten mich nicht mehr retten. Es ist als würden wir rückwärts laufen. Wir stehen wieder an der Straße und bekommen den Bus, der hier seltener kommt als in der Kleinstadt, in der ich groß geworden bin. Wir kommen wieder in Tromsø an, verstauen Markus' Sachen im Hostel, schauen uns noch ein wenig die Stadt an, gehen in ein Café und schließlich stehe ich im Flughafen und komme mir trotzdem noch nicht so erwachsen vor, wie ich gedacht hätte. Es ist wie es immer ist - eigentlich gar nicht so schlimm, aber ich bin froh diese verträumten und märchenhaften Tage erlebt zu haben.






23. August 2025

Tag 7 - Gamnes - Lilletinden

 Bevor ich abreise, möchte ich ein letztes Mal auf einen der umliegenden Berge. Einer der Wanderwege, den wir noch nicht ausprobiert haben, liegt allerdings etwas entfernt. Wir müssen also erstmal in den nächsten Ort, Gamnes, wandern. Dort begrüßt uns ein einsames Rentier auf der Straße und vom Meer her sehen wir die Wolken ins Land und über die Inseln ziehen. Doch egal wie sehr wir uns beeilen, sie sind viel schneller und so wandern wir ab ca 400 Höhenmetern bei dichtem Nebel. Erst kurz vor dem Gipfel treten wir wieder ins Klare. Die Mitternachtssonne scheint uns in die Gesichter und als wir uns umdrehen, schauen wir tatsächlich auf die Wolken direkt vor uns und auch als wir uns auf den langen Rückweg machen, stehen sie immer noch im Tal. Ich komme mir wieder ein bisschen vor wie ein sad girl auf tumblr gefangen im Jahr 2012. 












21. August 2025

Tag 6 - Hansnes und unser Inselparadies

 Obwohl wir längst den Überblick über Tag und Nacht verloren haben, fällt uns auf, dass sich zumindest meine Zeit dieser Reise einem Ende zuneigt. Weil es gestern so schön war, wollen wir auch an diesem Tag wieder auf's Wasser. Bei viel zu hohem Wellengang fahren wir nach Hansnes und sind bei Ankunft im Hafen sehr glücklich, dass wir nicht gekippt sind. Doch auf dem Rückweg, sind die Wellen auf unserer Seite und treiben uns beinah erst nach Hause und schließlich erneut nach Holmes. Es gibt Stockbrot am Lagerfeuer und das große Finale des Buchs, das wir über diese Reise gelesen haben: Morgen, Morgen und wieder Morgen. Als wir nach Hause fahren, beginnt sich ein tiefer Nebel über den Fjord zu legen und nur wenig später holt er uns tatsächlich ein. So habe ich mir den norwegischen Sommer tatsächlich vorgestellt.






19. August 2025

Tag 5 - Risøya - Holmen

Die Schweinswale sind schon wieder im Fjord. Wir beschließen also unser süßes Boot nochmal richtig auszunutzen und peilen zwei kleinere Inseln ganz in der Nähe an. Was wir dort finden, sind einerseits der friedlichste Friedhof, den ich je gesehen habe und andererseits ein wunderschöner Sandstrand, mit sehr viel Schnittlauch, einer Schaukel, Feuerstelle und Felsen, auf denen die Möwen genüsslich und in alle Seelenruhe Seeigel schlürfen.