Doch auf dieser Insel gab es keine Möglichkeiten, nicht mal Schiffe, die sie verlassen. Es gab nichts, bisauf dieser einen Straße, die sich über fünfzehn Kilometer im Kreis windet und nirgendwohin führt.
Nie war ich derartig mit meiner eigenen Hilflosigkeit konfrontiert als in jener Nacht, in der ich diese dem Tode geweihten, gelähmten Katze auf den Stufen des Tempels, in weißen Tücher gebettet, zum Sterben zurücklassen musste. Keine Chance auf Erlösung, kein Weg ans Festland - nur elendig lange Stunden, um im Rauschen der Wellen und dem Zirpen und Schreien des Dschungeln auf ein qualvolles Ende zu warten. Als wäre ich noch nie mit sterbenden und leblosen Tieren konfrontiert gewesen, hat mir diese schneeweiße, um ihr Leben kämpfende Katze, endgültig das Herz gebrochen. Nun schreibe ich Liebesbriefe in die Leere und weine um ein wildes Tier, das ich nicht kannte, weil ich es nicht fair finde, wenn trotz der schmerzhaften Stunden niemand an sie denkt.
Religion und ich, wir sind uns schon manchmal begegnet, aber nie konnte ich Trost oder Gnade darin finden. Jetzt möchte ich trotzdem daran glauben, dass insofern dieser Tempel tatsächlich von Göttern bewacht wird, sie dieses unschuldige Wesen nun sanft in ihren Armen wiegen, sie in Wärme hüllen und ihr Lieder singen vom Frei- und Wildsein und wie es sich anfühlt, bei Dämmerung über die Wellblechdächer zu balancieren und hier und da einen kleinen Snack zu stibitzen. Sie sollen sie streicheln und ihr zeigen, dass wenn das Leben hart ist, der Tod hingegen ganz leicht und friedlich sein kann.
